Die Einmann-Lichterkette in der Krise

Autor: gt!nfo

Fotos: Frank Eidel

10.04.2024


Die Einmann-Lichterkette in der Krise

 

Florian Schroeder kommt mit seinem Programm „Neustart” im Rahmen des Festivals „Gütersloh macht ernst mit lustig“ in die Stadthalle. Wir wollten von ihm wissen, warum genau jetzt die Zeit für einen Neustart ist und wie er ihn in Gang setzen will.

 

Interview: Sybille Hilgert

 

Herr Schroeder: Warum ist jetzt die Zeit für einen Neustart?

 

Wir befinden uns ja seit Jahren gefühlt in einer Dauerkrise und immer noch kommen neue dazu: Klimawandel, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt und so weiter. Da ich ein optimistischer Menschenfreund bin, finde ich, dass es gerade jetzt Zeit für einen Neustart ist. Kurz gesagt: Als Einmann-Lichterkette in der Krise rufe ich den Neustart aus!

 

Warum ist jetzt und nicht gestern ein Neustart erforderlich?

 

Das Programm „Neustart” spiele ich schon länger. Es wird natürlich ständig aktualisiert - abhängig vom Tagesgeschehen. Grundsätzlich suche ich aber in diesem Programm zusammen mit dem Publikum den neuen Messias. Und ich darf verraten, dass wir ihn am Ende finden. Es wird eine große Überraschung, wer er ist und was er uns zu bieten hat.

 

Was macht diese besondere Krisenzeit aus? Waren die Zeiten nicht schon immer schwierig?

 

Ich möchte keine historischen Vergleiche ziehen. Es gab immer wieder Zeiten, in denen man das Gefühl hatte, dass es nicht mehr weiter geht. Im Moment wird viel von dem, was uns selbstverständlich scheint, in Frage gestellt - etwa durch den Klimawandel, der unser Leben auf jeden Fall verändern wird. Und auch die Corona-Pandemie hat einiges in Frage gestellt. Historisch gesehen, waren postpandemische Phasen immer auch Phasen großer Verunsicherung. Das Leben wurde auf Null gestellt, lange schwelende Konflikte brachen auf. Diese ganzen Unsicherheiten haben auch mit der Angst vor dem Verlust zu tun. Das lässt sich übertragen auf geostrategische Dimensionen: Nehmen wir etwa den Ukraine-Krieg: Aus Putins Sicht geht es um den Verlust des russischen Großreichs, den er durch den Ukraine-Krieg verhindern will.

 

Sie aktualisieren Ihr Programm ständig.

 

Ja, natürlich geht es um tagesaktuelle Bezüge aus den Nachrichten, aber auch um Dinge aus meinem persönlichen Umfeld, dem grünen Milieu im Prenzlauer Berg. Ich bin der Vorzeige-Grüne schlechthin, weiß, reich, privilegiert und mit schlechtem Gewissen. Wenn ich kein schlechtes Gewissen hätte, wäre ich FDP-Wähler.

 

Darf Schroeder in seinem neuen Programm alles?

 

Ja. Ich kann auf der Bühne machen, was ich will, da gehe ich keine Kompromisse ein. Deswegen habe ich ja diesen Beruf. Und man darf nicht vergessen: Das Publikum kommt ja freiwillig zu mir.

 

Sie sprechen unglaublich schnell. Wie lernt man das?

 

Ich kann gar nicht anders, das ist in mir so angelegt. Dabei spreche ja schon langsamer als früher, aber ich kann mich nicht auf eine Langsamkeit herunterschrauben, über die einige andere Kollegen verfügen.

 

Sie treten im Anzug und mit Krawatte auf. Letzterer wird ja zurzeit auch der Untergang vorausgesagt. Ist Ihr Programm also auch ein Neustart für die Krawatte?

 

Ich trete ja schon seit Jahren in diesem Outfit auf. Aber wenn ich sehe, dass sogar

mein CDU-Politiker der Herzen, Friedrich Merz, immer öfter ohne Krawatte auftritt, dann überhole ich ihn gerne rechts und bin derjenige, der die Renaissance der Krawatte anstößt. Davon abgesehen, mag ich den Look, er hat so eine schöne Vollständigkeit.

 

Im Magazin Spiegel stand jüngst, dass die Deutschen gut darin sind, schlechte Stimmung zu haben. Sehen Sie das auch so?

 

Ja, in Deutschland ist man gerne schlecht drauf. Damit stehen wir aber auch für eine gewisse mit Pessimismus geschwängerte Berechenbarkeit. Das sorgt für Beständigkeit und macht den Umgang mit uns leicht.

 

Hilft Humor Immer weiter?

 

Ja, Humor hilft immer weiter und ist immer eine Lösung. Nicht aller Probleme, aber der Sicht auf die Probleme. Humor ist der Scheinwerfer, mit dem man Probleme neu beleuchten kann und dann gut durchgerüttelt nach Hause geht.

 

 Florian Schroeder

Neustart

Stadthalle Gütersloh

Donnerstag, 18. April | 20 Uhr

 

Tickets

https://theater-gt.eventim-inhouse.de/stadthalle.webshop/webticket/bestseatselect?eventId=989

 

Karten für „Neustart” zu gewinnen

 

Sendet einfach eine Mail an info@kultur-räume-gt.de mit dem Stichwort „Florian Schroeder“. Teilnahmeschluss ist der 15. April um 23:59 Uhr. Es werden 2 x 2 Karten verlost.

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