School's Out

Birgit Compin

Autor: Birgit Compin

Fotos: Illustration: Veronika Samojlova / Foto: Tamarcus Brown-unsplash

15.07.2021

Wir haben das Wort!

Nö, School’s Out macht keine Ferien, sondern geht auch im Sommer munter weiter. Gemeinsam schreiben in dieser Ausgabe die Schulredakteure von AFG und ESG.


Kleiner Wald mit großer Bedeutung 

Illustration: Veronika Samojlova


Im Februar besetzten Umweltaktivist*innen den Steinhausener Wald, der sich in der Nähe des Storck Werkes befindet. Das zu den größten Süßwarenherstellern der Welt gehörende Unternehmen möchte den Standort in Halle vergrößern und dafür 22 Hektar Wald versiegeln. Als erstes soll der verrohrte Laibach über die Erde geholt und renaturiert werden. Es gab heftige Diskussionen und Waldbesetzungen. Zwei Schüler*nnen, Anna Kötter und Bennet de Boer der Anne Frank Gesamtschule stellen ihren Standpunkt vor – pro und contra.


Wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir uns selbst

Es ist ein Schritt, der auf den ersten Blick positiv erscheint, für den jedoch um die 100 Bäume gefällt werden sollen, obwohl es laut BUND andere Möglichkeiten gibt. Für mich jedoch ist es ein klarer Ökozid, denn die Fällung des Waldes würde das lokale Ökosystem durcheinanderbringen. 


Ein Misch- und Laubwald würde zerstört, in dem über 200 Jahre alte gesunde Bäume stehen. Auch würde eine Vielzahl von Tierarten ihren Lebensraum verlieren. Für die Stadt Halle hätte dieses Vorhaben ebenfalls negative Folgen, denn der Wald speichert 13 bis 15 Tonnen CO2 im Jahr. Auch dient er als Kaltluftentstehungsfläche und schluckt großenteils die Geräuschkulisse, die Emissionen und den Staub der nahen Autobahn. 

Außerdem wird durch die Bodenversiegelung die Fläche vermindert, auf der Regenwasser in den Boden versickern kann – weniger Grundwasser wäre die Folge. In Anbetracht der Wasserknappheit im Hochsommer und des massiven Wasserverbrauchs Storcks ist die Bodenversiegelung aus meiner Sicht als risikoreich zu bewerten. 

Storck versprach Aufforstungen als Ausgleich, jedoch sind diese im Umkreis Halle nicht realisierbar, da schlichtweg Fläche dieser Größe fehlt. Außerdem braucht ein neu angepflanzter Wald 50 bis 60 Jahre, um die Funktionen eines intakten Waldes zu erfüllen und 2050 ist bereits das Jahr, für das WissenschaftlerInnen gravierende Umweltprobleme prophezeien, wenn die Menschheit ihr Verhalten nicht ändert.

Befürworter des Vorhabens argumentieren damit, dass es sich um vergleichsweise wenige Bäume handelt. Ich aber bin der Meinung, dass in Zeiten der Klimakrise jeder Baum zählt


Die Umwelt zieht stets den Kürzeren

Auch dürfen wir nicht nur die lokalen Folgen betrachten, sondern müssen das Problem in einem größeren Zusammenhang sehen. Seit vielen Jahren gibt es den Konkurrenzkampf zwischen Umwelt und Wirtschaft, für den die Situation in Halle nur ein Beispiel ist und bei dem die Umwelt stets den Kürzeren ziehen musste. Und obwohl die Warnungen der Wissenschaftler*innen zur Klimakrise in den letzten Jahren immer lauter wurden, entscheiden wir Menschen uns immer noch in den meisten Fällen für die Wirtschaft. Unser wichtigstes Ziel scheint ein Streben nach stetiger Verbesserung und Erhöhung des Profits zu sein – nach einer unendlichen Expansion in einer endlichen Welt. 

Bereits 1820 beschrieb Jean-Baptiste de Lamarck das menschliche Verhalten in Bezug auf die Umwelt folgendermaßen: „Mit seinem im Hinblick auf seine eigenen Interessen wenig hellsichtigen Egoismus, mit seinem Hang, alles ihm zur Verfügung Stehende auszukosten, kurzum durch seine Sorglosigkeit gegenüber der Zukunft und seinesgleichen scheint der Mensch auf die Vernichtung seiner Mittel zur Selbsterhaltung und auf die Zerstörung seiner eigenen Art hinzuarbeiten.” 

Kurz gesagt: Wir streben mit einem unendlichen Wachstum unsere eigene Zerstörung beziehungsweise die Zerstörung der eigenen Art an. 


Egoistisches Argument

Und damit ist klar: Die Begründung, dass Storck durch den expandierenden Weltmarkt zu einer Expansion gezwungen wird, ist für mich nicht akzeptabel, sondern ein egoistisches Argument für eine Erweiterung der Firma. Und auch das Argument, man müsse die Arbeitsplätze erhalten beziehungsweise neue schaffen, ist nicht wirklich nachvollziehbar, denn wer soll denn in dem Werk arbeiten, wenn sich die Menschheit selbst auslöscht?


Mir ist selbstverständlich klar, dass die Firma wahrscheinlich woanders expandieren wird, wenn die Erweiterung in Halle gestoppt wird. Das wussten auch alle Beteiligten der Waldbesetzung. Mir ist auch bewusst, dass eine Expansion an einem anderen Standort möglicherweise noch negativere Auswirkungen für die Umwelt mit sich bringen könnte. Dennoch geht es darum, Zeichen für die Umwelt und gegen den Klimawandel zu setzen, und das ist mit der Aktion geschehen, denn die Besetzung des Steinhausener Waldes war die erste Waldbesetzung mit Erfolg.


Ich sehe das Anliegen der Firma Storck nicht als das eigentliche Problem an, sondern verurteile das Prinzip der Wirtschaftspolitik von einem ständigen Wachstum. Wir müssen aufhören, die Natur als Objekt zu betrachten und die Wirtschaft über unseren Lebensraum zu stellen. Wir müssen aufwachen aus dem Traum von einer unendlichen Welt mit unendlichen Ressourcen und uns den Umweltproblemen stellen, die wir Menschen selbst zu verantworten haben. 

Denn wir brauchen die Natur zum Überleben, der Mensch ist Teil der Natur und wenn wir sie zerstören, zerstören wir uns selbst. Ohne menschliches Leben wird es auch keine Wirtschaft mehr geben. 

Text: Anna Kötter, Q1 AFG


Storck Abholzung – mehr Chancen als Gefahren

Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass ich nicht für rücksichtslose Abholzungen bin, die Fällung der Bäume aber in diesem Fall für alternativlos halte, denn das Unternehmen muss expandieren, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben – und dafür muss der Wald gerodet werden. 


Das Unternehmens Storck ist für unsere Region von großer Bedeutung: Zurzeit arbeiten in dem Werk in Halle 3.200 Mitarbeiter und nach der Expansion werden bis zu 1.700 weitere Arbeitskräfte benötigt. Dies ist ein Segen für unsere recht kleine Region, denn so viele Arbeitsplätze in einem Top Unternehmen versprechen für zukünftige Generationen die Möglichkeit, Karriere in einem Unternehmen zu machen, das zu den besten Deutschlands gehört. 

Hinzu kommen noch die Arbeitsplätze bei Unternehmen, die mit Storck kooperieren wie Logistikunternehmen, Handwerks- oder Zulieferbetriebe, die durch die Erweiterung gesichert werden. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Bedeutung für die umliegenden Hotels und die Gastronomie, die von auswärtigen Mitarbeiter*innen oder Kund*innen profitieren, die vorübergehend in dem Werk in Halle beschäftigt oder zu Besuch sind. 


Ein Gedankenspiel

Lassen wir uns doch einmal auf das Gedankenspiel ein, Storck dürfe den Wald nicht roden. 

Was wäre die Alternative? Man könnte das Werk dort bauen, wo es keiner Rodung bedarf, also an einem Standort, der entfernt von Halle liegt. Das hätte zur Folge, dass etliche Produkte zwischen den Werken transportiert werden müssten. 

Der dadurch entstehende Querverkehr an Lkws, die zwischen den Standorten pendeln, würde auf langer Sicht ein hohes Maß an Emissionen und Umweltverschmutzung verursachen. Das wäre meiner Meinung nach schädlicher für die Klimabilanz, als wenn man sich auf die Rodung einlassen würde. 

Eine weitere Möglichkeit, nämlich die Produktion ins Ausland zu verlagern, kann ich noch weniger befürworten. Hierzu könnte ein Land gewählt werden, in dem die Arbeitsschutzrichtlinien und Umweltschutzrichtlinien weniger streng sind als bei uns. Und was das bedeutet, muss ich nicht weiter ausführen.

Hinzu kämen die steuerlichen Verluste. Nicht nur Storck zahlt Steuern, sondern auch die MitarbeiterInnen. Wird das Werk woanders errichtet, fehlen dem Staat die Steuern des Arbeitgebers und ArbeitnehmerInnen. 

Storck ist eine Firma, für die der ökologische Gedanke von großer Bedeutung ist, wie schon ein Rundgang über das Gelände zeigt, denn zwischen den Hallen sind viele Grünflächen angelegt und Bäume gepflanzt. 


Abholzung in Deutschland kein großes Problem

Außerdem sehe ich die Abholzung in Deutschland nicht wirklich als großes Problem an, denn es gibt große Maßnahmen zur Aufforstung. Jährlich werden 76 Millionen Kubikmeter Holz geerntet und es wachsen 122 Millionen Kubikmeter nach. Somit wächst einiges mehr nach, als gerodet wird. Deutschlands Gesamtvorrat an Holz beträgt 3,7 Milliarden m³, was im EU-Vergleich ein Spitzenwert ist.

Natürlich ist es um die Abholzung der Bäume schade, aber das ist sicherlich verkraftbar, wenn man zum Beispiel Storck verpflichtet, sich an der regionalen Aufforstung zu beteiligen. Meiner Meinung nach fehlte bei den Protesten die Weitsicht der Beteiligten, denn die von mir beschriebenen Auswirkungen und Alternativen wurden nicht in den Blick genommen. Daher möchte ich abschließend feststellen: Die Welt wird nicht unbedingt im „Steini“ gerettet, nur weil das Abholzen einiger Bäume verhindert wird!

Text: Bennet de Boer, Q2 AFG




Hallo, Mallorca!

Foto: Tamarcus Brown-unsplash


Sommerzeit – Ferienzeit! Nicht wenige verbinden Orte wie Mallorca mit Sonne, Sommer, Sonnenschein. Wie toll wäre es dann, einen Schüleraustausch mit der spanischen Insel zu organisieren und quasi Urlaub und Lernen zu verbinden? Herangewagt an diese Idee haben sich zwei Spanischkurse des ESG – erstmal nur digital, doch was ja nicht ist, kann ja noch werden.


Seit Beginn des Jahres 2021 machen wir in den beiden Spanischkursen der Q1 des ESG einen virtuellen Austausch. Was mit der Online Plattform eTwinning, die extra auf internationale Austausche zugeschnitten ist, begann, findet heute hauptsächlich über Messenger-Apps oder Zoom statt: Die deutschen Schüler*innen schreiben also auf Spanisch, die Spanier*innen antworten auf Deutsch. Ganz klar: Besonders die Videokonferenzen auf Zoom erweisen sich dabei als Herausforderung, und nicht selten kamen „Hände und Füße“ zu Verständigung zum Einsatz. Projekte mit anderen Ländern und Kulturen geben einen Einblick in das Leben des anderen, nach dem Motto „Lass mich dein Land durch deine Augen entdecken.“ Wir haben schnell gemerkt, dass durch den online Austausch ein ganz anderes Gefühl entsteht, als den Stoff trocken in der Schule zu lernen. Es macht viel mehr Spaß, sich mit Gleichaltrigen zu unterhalten, die zwar in einem anderen Land leben, einem ansonsten aber in vielen Punkten ähnlich sind. 

Deshalb fiel es uns leicht, die Sorgen über inkorrekte Aussprache oder limitiertes Vokabular abzulegen und – wenn auch nur digital – die andere Kultur kennenzulernen. Viele von uns hoffen aber trotzdem, ihre*n Austauschpartner*in nach der Corona Pandemie auch einmal im wahren Leben treffen zu können.


Was sagen beteiligte Schüler*innen zu dem Projekt?

„Das Projekt mit der Mallorquinischen Schule gefällt mir wirklich sehr gut. Ich habe viele neue Leute kennengelernt, mit denen ich auch mittlerweile außerhalb der Schulzeit schreibe. Meistens sprechen wir über Soziale Medien, Sport und Musik, also Themen, die wir als Jugendliche mögen. Abgesehen davon, dass die Schüler sehr kommunikativ sind, sind Sie auch super höflich und respektvoll. Winzige Probleme bringt das Projekt auch mit sich. Es ist schön, eine andere Kultur durch diesen Austausch kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. 

(Asya Taskin)


„Durch eTwinnig habe ich die Möglichkeit bekommen, mit unseren Austauschpartnern in Kontakt zu treten. Mittlerweile schreiben wir jede Woche und tauschen auch immer mal wieder Traditionen, typische Gerichte oder verschiedene Orte aus. Dadurch bekommt man immer mehr Lust dorthin zu fahren, um die Partner kennenzulernen. Zudem können deutsche und spanische Austauschpartner*innen Fragen zur Grammatik stellen und eigene Texte zur Überprüfung schicken. So profitieren beide Seiten davon. Außerdem lernt man durch den Kontakt auch viel mehr Spanisch als zuvor. Deshalb freue mich sehr diese Möglichkeit zu haben.“

(Nina Suchard) 


„Das Schöne am Projekt: das Kommunizieren mit den Spaniern hat auch außerhalb der Schulzeit ganz gut geklappt und die Gruppe wird aktiv genutzt. Wir haben viel voneinander gelernt. Obwohl wir nicht immer alles verstanden haben, was die Spanier geschrieben haben, haben wir es geschafft, uns untereinander zu verständigen und gut mit einander auszukommen. Sicherlich wird die Gruppe auch noch nach dem Projekt weiterhin benutzt!“

Text: Nina Suchard und Aysa Taskin, Q1 ESG



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