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Wahlprüfsteine

ADFC benotet die Bürgermeister-Kandidat*innen aus - Morkes und Reese durchgefallen

Im Vorfeld der Kommunalwahl am September hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) alle Kandidat*innen auf ihre Fahrradfreundlichkeit abgeklopft. „Von Herrn Morkes und Herrn Reese gab es leider keine Reaktion, alle anderen haben uns jedoch teilweise sehr umfassende Antworten auf unsere sogenannten Wahlprüfseinen gegeben“, erläutert Thomas Karrasch, ADFC-Vorstandsmitglied aus Gütersloh. Insgesamt umfasst der in digitaler Form versandte Fragebogen des Vereins 16 Fragen, die sich in neun Frageblöcke wie zum Beispiel Unfallverhütung, Infrastruktur für Radfahrende bis hin zum Radtourismus in Gütersloh aufteilen. „Wir haben dann jede einzelne Antwort von fünf verschiedenen ADFC-Mitgliedern unabhängig voneinander nach dem Schulnotenprinzip benoten lassen.“, erläutert Karrasch die Vorgehensweise. Die Schulnote 1 wurde dabei vergeben, wenn die Kandidaten-Antwort komplett den Vorstellungen der Bewerter entsprach, die Note 6 bei einer klar erkennbaren Anti-Fahrrad-Haltung. „Anschließend haben wir aus den fünf Einzelnoten für jede einzelne Kandidatenantwort noch einen Mittelwert gebildet, um zu einer möglichst objektiven ADFC-Einschätzung zu kommen.“, so Karrasch weiter der mit einem Augenzwinkern hinzufügt: „Sowas hätte ich mir in der Schule bei so mancher Lehrerbenotung auch gewünscht“.

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Trostmann mit guten Ideen auf Platz 1
„Die fahrradfreundlichsten Antworten auf fast alle unserer Fragen hat dabei die Kandidatin der Grünen, Gitte Trostmann gefunden“, so Daniel Neuhaus, Vorsitzender des Vereins. „Frau Trostmann hat sich klar dafür ausgesprochen, die Benachteiligung von Radfahrern an Ampeln in Gütersloh zu beenden und spricht sich auch für eine Verringerung der Tempolimits aus“. Dadurch können laut Ansicht der Fahrrad-Experten viele Unfälle in Gütersloh verhindert werden und bei vielen weiteren die Unfallschwere deutlich abgemildert werden. Für die Grünen-Kandidatin ergeben diese Antworten im Fragenblock Unfallverhütung die Note 1,6 und im Bereich Gleichberechtigung die Note 1,5. Die Kandidatin verspricht, im Bereich Verkehr in der Verwaltung neue Prioritäten festzulegen und den Rad- und Fußverkehr bei jeder zukünftigen Umbaumaßnahme besonders zu berücksichtigen.
Schulz sind keine Benachteiligungen an Ampeln bekannt. „Uns hat es gewundert, dass dem amtierenden Bürgermeister Schulz nicht bekannt war, dass es in Gütersloh nach wie vor zahlreiche der sogenannte Bettelampeln gibt“, sagt Karrasch und zählt als Beispiele Ampeln entlang der B61, des Stadtrings, der Friedrich-Ebert-Straße und Verler Straße aus. Bei Bettelampeln stehen Radfahrer und Fußgänger an der Ampel und müssen über einen Knopf grün anfordern, während der Autoverkehr eine grüne Welle hat. „Die Stadt Gütersloh hat im letzten Fahrrad-Klimatest des ADFC von den Radfahrenden die allerschlechteste Note 4,7 im Bereich Ampelanlagen bekommen, das hätten doch alle Warnzeichen aufblinken lassen. Radfahrer und Fußgänger empfinden das als echte Benachteiligung, fast schon als Schikane“, so Karrasch weiter. Punkten kann Schulz dagegen aber an anderer Stelle. So schlägt er vor, an der Friedrich-Ebert-Straße deutlich mehr Platz für den Radverkehr anzubieten indem im Rahmen eines Verkehrsversucht je eine der zwei Richtungsspuren für den Autoverkehr dem Radverkehr zur Verfügung gestellt wird. Neuhaus findet dafür lobende Worte: „Wir haben auch im Zuge der aktuellen Baustelle gesehen, dass der Kfz-Verkehr auf der Friedrich-Ebert-Straße problemlos auf insgesamt zwei Fahrspuren abgewickelt werden kann.“ Der Radverkehr könne an der Friedrich-Ebert-Straße über sogenannte Protected Bikelanes sicher geführt werden. „Wir
haben in die Arbeitsgemeinschaft Fuß und Rad darüber hinaus einen Vorschlag eingebracht, auch entlang der Verler Straße den aktuell vorhandenen Mehrzweckstreifen, der im Wesentlichen für das wilde Abstellen von Bussen und Lastwagen genutzt wird, in eine sicher abgetrennte Fahrspur für den Radverkehr umzuwidmen.“, so Neuhaus. Das würde zu einer sicheren, komfortablen und schnellen Fahrradachse vom Rathaus, über den Bahnhof bis zum Ortseingang Spexard führen.

Richter mit Konsensvorschlägen
Volker Richter, der Kandidat der SPD, verspricht sich für die Behebung von Mängeln an städtischen Radwegen einzusetzen. Wie auch die anderen beiden Kandidaten möchte er weitere Fahrradstraßen ausweisen und im Laufe seiner Amtszeit den Neubau eines Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof vorantreiben. „Gut hat uns gefallen, dass Herr Richter Fortbildungen im Bereich Radverkehr für Verwaltungsmitarbeiter zukünftig verpflichtend machen möchte, denn vielfach mangelt es an Know-how oder das Wissen ist veraltet“. Richtige Visionen konnten die ADFC-Bewerter in den Antworten von Herrn Richter jedoch nicht finden, so Neuhaus.

Alle Fragen und Antworten mit Einzelnoten online
Somit kommt der Fahrradclub zur Endnote 1,7 für Gitte Trostmann. Amtsinhaber Henning Schulz schafft es auf eine 2,6 während Herausforderer Volker Richter eine 3,0 erzielt. Morkes und Reese sind aufgrund der fehlenden Reaktion auf die ADFC-Anfrage durchgefallen. Alle Fragen des Fahrrad-Club, die dazugehörigen Antworten der Kandidat*innen im Wortlaut und die einzelnen Benotungen sind ab sofort auf der Homepage des ADFC Gütersloh zu finden: www.adfc-guetersloh.de