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Lokal

Vesperkirche

„Schenk ‘ne Suppe und ein Lächeln!“

Auch 2021 wird es in Gütersloh eine Vesperkirche geben – sie wird nur völlig anders gestaltet sein als die bisherigen.
Vesperkirche in Zeiten von Corona: Wie soll das gehen? Wie bitte ein Fest der Begegnung feiern, wo doch gerade das, die Begegnung, derzeit kaum möglich ist? Die Organisatoren der Gütersloher Vesperkirche haben dennoch entschieden, sie auch 2021 stattfinden zu lassen. Sie wird nur völlig anders gestaltet sein als die bisherigen. Die Martin- Luther-Kirche, sonst Ort der Begegnung und der gemeinsamen Mahlzeit am Tisch, bleibt weitgehend zu. Stattdessen erfolgt die Verteilung draußen vor dem Kirchenportal. Und gegessen wird nicht vor Ort, sondern dort, wo das Essen ankommt - sei es zuhause auf dem eigenen Herd oder bei der Nachbarin, dem Busfahrer, der Schuhverkäuferin, dem überraschten Passanten.
15 Tage lang, vom 24. Januar bis zum 7. Februar, wird die Vesperkirche stattfinden. Die Organisatoren werden vor dem Gebäude ein großes Regal aufbauen – dieses Regal wird rund 100 Fächer haben, und in jedem werden Mahlzeiten stehen: Solche, die man mitnehmen kann. Eingemacht in Weckgläsern und damit transportfähig. Die Idee: Menschen finden sich täglich um die Mittagszeit an der Kirche ein, nehmen sich ein kostenloses, gefülltes Weckglas aus dem Regal und verschenken es weiter an Menschen, denen sie Gutes tun wollen. Seien es Bekannte oder Fremde.
„Natürlich haben wir uns lange die Entwicklung der Pandemie angesehen und immer wieder neue Ideen entwickelt, wie wir trotz der Abstands- und Distanzgebote ein passendes Modell für unsere Vesperkirche finden“, sagt Dörte Sonnabend, Mitglied des ehrenamtlichen Organisationsteams. „Wir glauben nun, ein Corona-konformes Angebot gefunden zu haben: Wir wollen Suppen verschenken! Oder genauer gesagt: Verschenken lassen. Und mit dieser Mahlzeit eine Form der Zuwendung sowie den Gedanken, dass wir weiter - gerade in dieser Zeit - füreinander da sind.“
Das Motto der Vesperkirche 2021 lautet: „Schenk ‘ne Suppe und ein Lächeln!“ Sie behält auf diese Weise ihren Grundgedanken bei, über eine Mahlzeit miteinander in Kontakt zu treten und Menschen das Gefühl zu geben, wahrgenommen zu werden. „Wir wollen den Geist der Vesperkirche lebendig halten, aber niemanden gefährden“, sagt Pfarrer Stefan Salzmann, Mitglied im Organisationsteam. Wer eine Mahlzeit aus dem Regal nimmt und sie anderen bringt, drückt damit den Wunsch nach Begegnung aus. „Wunderbar wäre es auch, wenn man diese Mahlzeit nicht nur überreicht, sondern sie gemeinsam einnimmt, wo und wann auch immer.“ Erstmals werde die Vesperkirche auch komplett vegetarisch sein. „Wir sehen in der Pandemie eine Gefahr, dass sich die sozialen Gegensätze verschärfen. Sie gefährdet nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Wolfgang Sieveking vom Orga-Team. In dem Vorgang, sich untereinander eine Mahlzeit zu bringen, sich vielleicht damit zu überraschen, zeige sich das Bestreben, Trennendes zu überwinden. Wo sonst mehr als 5.000 Menschen eng beieinander gesessen hätten, wird dieses Treff en nun in viele kleine Begegnungen aufgeteilt.

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Foto: Osterkamp