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Kultur

Trommelwirbel für zwei Aufsehen erregende Plastiken

„Kunst am roten Teppich“ gastiert mit Aktion an der Kirchstraße

Willem Schulz am Cello, sein Enkel Leon Raum am Schlagwerk und seine Tochter Pia Raum singend – die musikalische Familien-Combo Schulz/Raum unterhält am Alten Kirchplatz rund 30 Zuschauer zwischen Werner Pokornys Stahlplastik „Turm“ und Axel Anklams Skulptur „Honey Spoon“ auf höchstem Niveau. Nicht etwa nach Noten wird gespielt, sondern an Ort und Stelle improvisiert. Und trotzdem entsteht ein Spannungsbogen, ein Rhythmus, eine musikalische Geschichte. Zunächst bespielt das Trio an diesem Samstagabend am Veerhoffhaus bei der zweiten Veranstaltung der städtischen Kultur-Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ den rund 600 Kilogramm schweren, rötlich beleuchteten „Turm“ des zeitgenössischen deutschen Künstlers Werner Pokorny. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: Schulz setzt sein Cello quer am Kunstwerk auf, Pia Baum besingt den sandgestrahlten Cortenstahl dramatisch, Leon Raum bringt ihn mit den Trommelstöcken zum Klingen. Dann der Gang über die Kirchstraße, hin zu Axel Anklams „Honey Spoon“ – und selbst der Weg wird zum Schauspiel: Willem Schulz dreht sich wie ein Wirbelwind mit seinem Cello auf der Straße, Autos halten, Insassen filmen das Geschehen.

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Am „Honey Spoon“ ist das Licht fast golden und macht das Kunstwerk, das schon einen langen Weg hinter sich hat, zum unübersehbaren Blickfang. Im Jahr 2009 vom Künstler geschaffen, war es zunächst auf einer Ausstellung in Japan, bevor es im Jahr 2014 vom Kunstverein für den Kreis Gütersloh im Rahmen einer Ausstellung präsentiert wurde. Dauerhaft in Gütersloh bleiben konnte der „Honiglöffel“ durch einen Privatkauf und die anschließende Organisation und Umsetzung der ansprechenden Platzierung des Kunstwerks im öffentlichen Raum durch den im Jahr 2017 gegründeten Verein zur Förderung plastischer Kunst in Stadt und Kreis Gütersloh. Denn der Name des Vereins, dem Reiner Kuhn vorsteht, ist Programm. Nach ähnlichem Prinzip konnte auch die Stahlplastik „Turm“ gesichert und präsentiert werden. Zunächst mit Hilfe des Kunstvereins und nun gehegt und gepflegt von Reiner Kuhn und weiteren Vereinsmitgliedern, die sich mit viel Engagement für die plastische Kunst in der Dalkestadt und Kunstwerke im öffentlichen Raum stark machen.

„Bürgerschaftliches Engagement ist die Grundlage, die uns diese außergewöhnliche Kunst in der Innenstadt beschert hat“, betont Daniela Daus. Die Kulturwissenschaftlerin koordiniert beim städtischen Fachbereich Kultur die neue Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“, die das Augenmerk auf Kunst im öffentlichen Raum lenkt und in ihrer zweiten Veranstaltung den „Honey Spoon“ und den „Turm“ in den Mittelpunkt stellte. Als Mitveranstalter und Kooperationspartner freut sich Reiner Kuhn über die gelungene Aktion: „Bedeutsam ist es für uns als Verein insofern, als dass die Arbeiten, die wir hier mit Genehmigung der Stadt in den öffentlichen Raum stellen konnten, mit solchen Aktionen einfach stärker in die Wahrnehmung des Publikums geraten und nicht einfach als Stadtmöblierung am Rande wahrgenommen werden. In Zukunft sind wir natürlich darauf angewiesen, dass wir auch wieder stärker mit den Menschen kommunizieren können, sie auf unser Vorhaben, weitere gute Kunstwerke in die Stadt zu holen, aufmerksam machen und dann auf diese Weise wieder Spenden generieren zu können. Denn die brauchen wir, um die Kunstwerke zu bezahlen. So nach dem Motto ‚Bürger für Bürger‘, die sozusagen für sich und für ihre Stadt etwas Schönes tun.“

Einige Zuschauerinnen und Zuschauer der im Vorfeld nur pauschal für den Stadtkern angekündigten Veranstaltung hatten sich am Samstagabend extra auf die Suche gemacht und freuten sich, als sie den roten Teppich erblickten, der zum Veerhoffhaus und zur musikalischen Performance führte. Zu ihnen gesellten sich neugierige Passanten. Nach rund 30 Minuten Auftritt freuten sich Willem Schulz, Pia Baum, Leon Baum und die Veranstalter über langanhaltenden Applaus.

Ziel der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am roten Teppich“ ist es, Kunst und Kultur im öffentlichen Raum Güterslohs in den Blickpunkt zu rücken und ihre Wahrnehmung und Wertschätzung zu steigern. Dazu werden Objekte der bildenden Kunst in kurzen Aktionen „bespielt“. Und: Sie werden ganz besonders in Szene gesetzt – durch einen unübersehbaren roten Teppich, der Neugier wecken soll und zu ihnen hinführt. Ermöglicht wird das Projekt vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dessen NRW-weite Reihe „Stadtbesetzung“, die durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gefördert wird. Verbunden wird es mit einem Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler.

Foto: Am „Turm“ von Werner Pokorny: (v.l.)Willem Schulz, Pia Raum und Leon Raum.