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Wahl-Spezial

Kandidaten über Kandidaten

Zugegeben: In Gütersloh waren Kommunalwahlen noch nie die Hochzeit für Randale und gegenseitiges Niedermachen. Ideologische Verbohrtheit passt nicht so recht in eine Stadt, in der Rat, Ausschüsse und Verwaltung eng und intensiv zusammenarbeiten müssen, um wirtschaftlich notwendige Entscheidungen auf den Weg zu bringen, Wahlversprechungen umzusetzen und möglichst viele Beteiligte bei der Zukunftsgestaltung mitzunehmen. Und Zukunft ist ja immer auf der Agenda. Wie gut können denn die Bürgermeisterkandidaten miteinander? Was schätzen sie an ihren politischen Gegnern? GT-INFO stellte Henning Schulz (CDU), Volker Richter (SPD), Nobby Morkes (BfGT), Gitte Trostmann (Die Grünen) und Manfred Reese (Die Linke), diese ungewöhnliche Frage, jedenfalls zu Wahlkampfzeiten. Hier die Antworten, in denen auch Kritisches geäußert wird.

Bürgermeister Henning Schulz (CDU) über …

Nobby Morkes: Nobby Morkes spürt außerordentlich gut, was die Menschen emotional bewegt. Er weiß das für sich politisch zu nutzen. Ich habe ein hohes Maß an Anerkennung dafür, wie viel Zeit und Kraft Herr Morkes über Jahrzehnte in die BfGT investiert hat.

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Volker Richter: Ich schätze an Volker Richter, dass er sich mit einem hohen Maß an Beharrlichkeit für das Thema Werkvertragsarbeitnehmer engagiert. Bei diesem Thema empfinde ich seine Worte und Taten im Einklang und nehme wahr, dass es ihm wirklich wichtig ist.

Gitte Trostmann: Dass sie klar für sich und ihre Überzeugungen steht, schätze ich. Sie kritisiert nicht andere, um sich selbst zu profilieren. Frau Trostmann bringt ihre Anliegen engagiert zum Ausdruck. Man erkennt ihre Menschlichkeit daran, dass ihr inneres Feuer auch vor Sachargumenten manchmal keinen Halt macht.

Manfred Reese: Ich erlebe Manfred Reese als ehrlichen, umgänglichen Menschen. Jemanden, der, obwohl er im politischen Alltag selten Mehrheitserfolge feiern kann, immer wieder sein Anliegen einbringt, und damit die Möglichkeiten, etwas ganz anders zu sehen. Es erscheint als stoische Ruhe, mit der er seinem inneren Pfad folgt. Und ich glaube, sein Ziel ist Gerechtigkeit und Freiheit für alle Menschen.

Volker Richter (SPD) über …

Henning Schulz: Als gelernter Maurer und Architekt hat er natürlich besondere Kenntnisse im Bereich Bauen und jetzt auch fünf Jahre Erfahrungsvorsprung im Bürgermeisteramt. Das ist aber aber nicht unbedingt ein Vorteil, wenn man die bisherige Bilanz sieht. Leider erlebe ich bei ihm manchmal zu sehr Verwaltungsdenken und zu viel Fokus auf (teure) Bauprojekte. Ich finde, ein Bürgermeister muss immer auch Ansprechpartner für die Bürger*innen sein.

Nobby Morkes: Nobby ist ein Querdenker, der keine Scheu auch vor den unbequemen Auftritten hat. Seine große Stärke ist es, Stimmungen aufzugreifen, manchmal jedoch etwas zu populistisch. Er ist aber ein verlässlicher Partner zum Beispiel in Bereichen wie Kita, Jugend und Schule.

Gitte Trostmann: Sie ist engagiert und bei Anliegen, die sie für wichtig erachtet, durchaus auch mit Nachdruck hinterher. Ich nehme sie als Grünen-Politikerin war, mit der wir als SPD viele gemeinsame Projekte voranbringen könnten. Leider wird sie in vielen Bereichen dann oft von ihrer Fraktion ausgebremst, die noch immer lieber mit der CDU Politik macht.

Manfred Reese: Als Fraktionsvorsitzender der LINKEN steht er mit seinen Positionen oft alleine gegen den Rest des Rates. Dennoch geht er mit diesen schwierigen Situationen souverän um und tritt nicht selten mit süffisantem Unterton, vor allem aber mit großer Ruhe, für seine Positionen ein. Bei sozialen Themen arbeite ich sehr gerne mit ihm als verlässlichem Partner zusammen.

Nobby Morkes (BfGT) über …

Henning Schulz: Herr Schulz bewarb sich 2013 um die frei werdende Stelle als Stadtbaurat. Aufgrund seiner Parteiunabhängigkeit und seines Fachwissens wurde er auch einstimmig gewählt. Zwischen den Fraktionen versuchte er zu vermitteln, um im Interesse des Ganzen, unterschiedliche Positionen zusammenzuführen. Kompliment. Seit er Bürgermeister ist, vermisse ich dies. Dass ein Bürgermeister Anträge anderer Fraktionen als „absurd“ und „Frechheit“ bezeichnet, kritisiere ich in aller Schärfe.

Volker Richter: Sein Einsatz für die Werkvertragsarbeiter am sogenannten „Runden Tisch“ sucht seinesgleichen. Mit Volker Richter kann man harte Wortgefechte führen, die jedoch immer fair und sachlich ausgetragen werden.

Gitte Trostmann: Die Zusammenarbeit im Jugendhilfeausschuss verlief unspektakulär und sachlich. Gitte Trostmann ist nett und freundlich, wobei ich bei der ein oder anderen Entscheidung ihre Nähe zur CDU nicht nachvollziehen kann.

Manfred Reese: An dem Fraktionsvorsitzenden der Linken schätze ich seinen Einsatz für sozial schwächer gestellte Menschen und freue mich über seine teils scharfsinnigen, mit viel Ironie vorgetragenen Stellungnahmen.

Gitte Trostmann (Bündnis90/ Die Grünen) über …

Henning Schulz Ich fand es gut, dass er es durch deutliche Worte an seine CDU in der letzten Ratssitzung geschafft hat, dass sich letztlich alle einer Resolution an die Bundesregierung, das praktizierte System der Werkvertragsarbeit in der fleischverarbeitenden lndustrie unverzüglich zu beenden, anschlossen. Schließlich führte diese Praxis schon vor der Coronavirus-Pandemie zu einer erheblichen Belastung des Kreises Gütersloh und seiner Menschen.

Volker Richter Er ist im sozialpolitischen Bereich aktiv und mit den Akteuren in diesem Umfeld gut vernetzt. Als Sprecher des Runden Tisches Werksvertragsarbeitnehmer*innen hat er viel geleistet. Als Vorsitzender im Ausschuss für Soziales, Familien und Senioren stellt er sein vermittelndes Geschick unter Beweis und schafft es überraschenderweise in dieser Rolle auch, sich relativ kurz zu fassen.

Nobby Morkes Er hat ein Gespür, wo politischer Protest in der Stadt ist und den nimmt er meist schnell auf. Er setzt sich für seinen Wohnort Pavenstädt und die Belange von Autofahrenden ein. Ich finde es gut, dass er sich ebenfalls für Bürgerbeteiligung einsetzt. Auch wenn wir inhaltlich oft nicht einer Meinung sind, sind uns beiden die Beteiligung von und Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern wichtig.

Manfred Reese Ich erlebe ihn in erster Linie in den gemeinsamen Ratssitzungen. Es kommt relativ häufig vor, dass er stellvertretend für seine Fraktion eine gänzlich andere Meinung vertritt als der große Rest der Ratsmitglieder. Für seinen unerschütterlichen Mut, seine Ansichten vorzutragen und für sie einzustehen, respektiere ich ihn.

Manfred Reese, Die Linke, über …

Henning Schulz Den jetzigen Bürgermeister charakterisiere ich mit einem seriösen Auftreten, was sicher zu dem Amt passend ist. Dabei ist es nicht immer einfach, in so schwierigen Zeiten wie diesen, und da beziehe ich mich nicht nur auf die Coronakrise, das Schiff im Fahrwasser zu halten. Da braucht man viel Geschick und Einsatzbereitschaft.

Volker Richter Volker Richter ist mir dafür bekannt, dass er sich stark für die sozialen Belange der Menschen einsetzt. Gerade hier hat er sich durch zahlreiche Aktionen hervorgetan.

Nobby Morkes Nobby Morkes hat immer ein offenes Ohr, wenn es darum geht, sich für die Belange der BürgerInnen einzusetzen, insbesondere die der Pavenstädter. Darüber hinaus bringt er mit seinem Engagement im Freizeitbereich den Güterslohern viel Freude und Kurzweil.

Gitte Trostmann Gitte Trostmann ist sicher eine gute Kandidatin, die sich dafür einsetzen wird, dass Gütersloh weiter auf dem Weg zum Natur und Klimaschutz vorankommen wird. Da ist in Gütersloh noch viel Luft nach oben.