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Aktuell

Gesicht der Stadt mitgeprägt

Bei der Sportvereinigung Arminia (SVA) Gütersloh „kloppte und lief“ der jugendliche Venhaus, wie er seinen Stil als Fußballer beschreibt, in der Regionalliga West, damals zweithöchste Liga. Mit viel Talent und Begeisterung, „aber irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht auf Dauer vom Fußball würde leben können“. Ermuntert durch Manfred Hahne, Pressewart des SVA und im Hauptamt der Stadt Gütersloh beschäftigt, bewarb sich der 17-Jährige um eine Ausbildung bei der Stadtverwaltung. Am 1. August 1973 tippte er im erst zwei Jahre zuvor erbauten Rathaus seine ersten Zeilen auf einer Schreibmaschine, einer dunkelgrauen Triumph Matura.

Früh wurde man im Liegenschaftsamt auf den jungen Venhaus aufmerksam. Der – auf einem Hof in Avenwedde groß geworden – brachte nämlich einen Bonus mit: Er sprach Platt. Und das war zu Zeiten, in denen Grundstücksverhandlungen überwiegend mit Landwirten geführt wurden, ein nicht zu unterschätzender Türöffner. Venhaus gefiel die abwechslungs- und kontaktreiche Arbeit von Anfang an: „Ich wollte nie nur am Schreibtisch sitzen, sondern immer auch raus und mit den Menschen vor Ort zu tun haben.“ Und so ist es all die Jahre geblieben. Über FH-Studium und Verwaltungsakademie arbeitete er sich bis in den gehobenen Dienst und über verschiedene Positionen zum Leiter des Liegenschaftsamts und Wirtschaftsförderer voran. Dass Gütersloh kontinuierlich wuchs, daran hat Rainer Venhaus entscheidend mitgewirkt. „Die 70er bis 90er waren die tollsten Jahre, da war viel Dynamik drin“, sagt er rückblickend. „Damals haben wir entscheidende Flächen gekauft und konnten in der Folge viel in der Stadt entwickeln, Wohngebiete, Straßen, Schulen, Naturräume.“ Wohnen rund um das Elisabeth-Hospital, Bertelsmann, Verler Straße, Gewerbegebiete entlang der B 61, Schulstandorte sind nur einige Stichworte. „Wenn ich heute durch die Stadt fahre, sehe ich vieles, an dem ich mitgewirkt habe. Das ist ein sehr schönes Gefühl, das Ergebnis seiner Arbeit zu sehen.“ Manchmal drehten sich zähe Verhandlungen um einen einzigen Quadratmeter Fläche. Für Venhaus reizvoll: „Das hat richtig Spaß gemacht.“ Nicht mal, dass mancher Bauer seine damals gute Verhandlungsposition für kleine Schikane ausnutzte, verdarb ihm die Lust am Job: „Einer war grundsätzlich nur sonntags um 20 Uhr zu einem Besuchstermin für mich bereit. Und mehr als einmal fuhr ich dann zum Hof, nur um an der Tür gesagt zu bekommen, dass es jetzt gerade doch nicht passt“, erzählt Venhaus schmunzelnd.

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Eins sei für ihn von Anfang an klar gewesen: „Vertrauen bekommt man nicht geschenkt, das muss man sich erarbeiten.“ Das gelte auch für den Bereich Wirtschaftsförderung, den er mit der Leitung des Liegenschaftsamts 2005 zusätzlich übernahm. „Ich habe mich als Wirtschaftsförderer immer in einer Lotsenfunktion gesehen“, betont Venhaus und erklärt, wieso: „Wenn mich ein Unternehmer mit einer Frage anruft, kann ich das Problem meist nicht selbst lösen, ich weiß aber, welcher Fachbereich und welche Kollegen hier im Rathaus zuständig sind. Und wenn Dinge nun einmal nicht umsetzbar waren, dann habe ich erklärt, warum.“  Das schuf Vertrauen.

Seine erklärte und tatsächlich praktizierte Maxime „Meine Tür steht immer offen“ galt nicht nur für Externe, sondern vor allem auch für die Kolleginnen und Kollegen im Rathaus. Zu Spitzenzeiten – nach der Zusammenführung von Liegenschaftsamt, Wirtschaftsförderung und Hochbauamt zu einem großen Fachbereich im Jahr 2010 – war Rainer Venhaus Vorgesetzter von 88 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Mit ihnen habe ich die ganze Zeit viel Glück gehabt“, betont er. „Ohne deine Mitarbeiter bist du nichts.“ In dem umfangreichen Fachbereich braucht es Fachleute für vielfältige Zuständigkeiten – Verwaltung der städtischen Immobilien, Wohnbaulandmanagement, Gewerbeflächenentwicklung, neue Bauvorhaben, Förderung der heimischen Wirtschaft, Unterstützung der Stadtentwicklung durch den Erwerb von Flächen, um nur einige zu nennen. 

Auf den Ruhestand, den er offiziell Ende Mai, kurz nach seinem 65. Geburtstag, antritt, hat Rainer Venhaus sich gedanklich lange vorher eingestellt, um nicht von heute auf morgen nach fast fünf Jahrzehnten voller durchgetakteter Arbeitstage in ein Loch zu fallen. An Hobbys fehlt es dem geselligen und aktiven 64-Jährigen wahrlich nicht – zuvorderst Sport und Reisen. Er spielt Badminton und Golf, liebt die Oper, fährt viel Fahrrad, kocht leidenschaftlich gern, hat auf Reisen schon die halbe Welt gesehen und trotzdem noch viele Ziele. Das private Glück mit Ehefrau Vera komplettieren seit Kurzem zwei süße Enkelinnen, Mila (1,5 Jahre) und Sofia (ein Jahr). „Ich habe all die Jahre sehr gern gearbeitet“, hebt Rainer Venhaus hervor. „Aber jetzt freue ich mich auch aufs Rentnerdasein.“

Die inzwischen mehr als ein halbes Jahrhundert alte Triumph Matura stand übrigens bis zuletzt in seinem Büro – als Deko-Objekt. Zusammen mit dem kaiserlich-und-königlichen Amtsleiter-Schild bekommt sie ein Ehrenplätzchen bei Venhaus zuhause.

Foto: Früher und heute: Die täglichen Arbeitswerkzeuge Tablet und PC neben der mehr als 50 Jahre alten Triumph Matura, auf der Rainer Venhaus als Auszubildender Berichte schrieb. Auf dem Bildschirm des Computers ein Foto, das eine Leidenschaft des scheidenden Wirtschaftsförderers und Leiters des Fachbereichs Immobilienmanagement abbildet: Radreisen.