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„Back On The Chain Gang“

Rock-Ikone mit Gütersloher Band The Picturebooks – „You Can’t Let Go“

Sie ist die ewig junggebliebene Ikone der 1980er-Jahre: Chrissie Hynde. Die Sängerin, Gitarristin und Song-Schreiberin war immer schon anders und immer schon gut.
Ende der 70er-Jahre gründete die gebürtige US-Amerikanerin in London ihre Band „The Pretenders“, in Anlehnung an Sam Books Cover-Version des alten The Platters-Songs „The Great Pretender“. Ihre erste Single war „Stop Your Sobbing“, auch so ein Cover-Ding, das vielleicht dem einen oder anderen noch ein Begriff sein dürfte. Doch schon das Debütalbum katapultierte Band und Frontfrau endgültig in den Pop- und Rockhimmel. Ihr Markenzeichen waren und sind tiefgründige, rebellische Texte und Hooklines, die rockiger und doch einprägsamer waren als so viele andere Stücke dieses Genres.

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„Back On The Chain Gang“ ist so ein Song, „I’ll Stand by You“ ein anderer. Unvergessen mein persönlicher Favorit „Thin Line Between Love and Hate“. Unvergessen auch ihr Live Aid-Auftritt 1985 und zwei Jahre später die Performance beim Nelson Mandela-Tribute. Konzerte, die weltweit für Furore sorgten und im Olymp der Pop-Geschichte angelangt sind. Für mich dabei unvergessen ihre Duette „Red Red Wine“ und „Breakfast in Bed“ mit UB40-Sänger Alistair „Ali“ Ian Campbell. Spätestens jetzt sollten diese ewigen Ohrwümer in den Köpfen der Leser klingeln.
Ja, das war Chrissie – und das ist sie noch heute. Zwar nicht mehr schwarzhaarig, sondern stark erblondet, steht sie bis heute auf den Festival-Bühnen der Welt, wohnt immer noch in London und steht immer noch im Studio. So wie im vergangenen Jahr. Da nahm die Ikone der Rockgeschichte im altehrwürdigen Londoner RAK Studio mit der Gütersloher Band The Picturebooks ein Video zu einem gemeinsamen Song auf. Gerade wurde „You Can’t Let Go“ als Single-Auskopplung der CD „The Hands Of Time“ veröffentlicht. Der Song stampft und kracht und geht unter die Haut. Wenn man Chrissie Hynde und den Jungs von The Picturebooks dabei zusieht, weiß man, sie sind tatsächlich „Back On The Chain Gang“ – und genau das heißt für mich, da einmal nachzuhaken.

Ich erreiche Fynn C. Grabke und Philipp Mirtschink auf ihrer Tour quer durch die USA per E-Mail und stelle Fragen über Fragen – und die beiden verpassen mir dazu ein gehöriges Update. Bitteschön!

Der Link zum gemeinsamen Song mit Chrissie Hynde auf YouTube: THE PICTUREBOOKS - You Can’t Let Go feat. Chrissie Hynde (OFFICIAL VIDEO)

Schon im vergangenen Jahr habt ihr mir erzählt, dass ihr in Saint-Tropez mit The Pretenders aufgetreten seid. Dabei habt ihr Chrissie Hynde näher kennengelernt und irgendwann später eine Duett-Anfrage an sie geschickt. Nach nur zwei Minuten kam ihre Nachricht zurück: „I’m in!“. Und das hat sich gelohnt, Video und Song sind der Hammer. Könnt ihr mir zum Making of noch was erzählen?
Fynn: Als wir ihr geschrieben hatten, gab es noch gar keinen Song. Nach ihrer Zusage haben wir ihn dann schnell geschrieben. Unter Druck geht’s halt manchmal besser.
Philipp: Idee und Vibe waren schnell gefunden. Am nächsten Tag war alles im Kasten, und wir haben es ihr geschickt. Wir dachten, sie wird bestimmt ihren eigenen Text schreiben wollen, aber sie liebt den von Fynn und hat ihn übernommen. Aus zeitlichen Gründen hat sie ihren Part in London aufgenommen und uns zugeschickt. Wir wollten aber, dass sie den Refrain mitsingt. Dann ist sie nochmal ins Studio gegangen. Sie hat alle Kosten getragen.

Der Sound und die „Präsentation“ der fetten Kette ist der Hammer! Der Laie mag da schnell auf einen Zusammenhang kommen mit dem Song der Pretenders „Back On The Chain Gang“ – ist das purer Zufall oder gewollt?
Philipp: Die Kette haben wir schon länger und auch bei anderen Songs benutzt. Aber Chrissie liebt die Kette.

Ein oder zwei Worte zur Zusammenarbeit mit Chrissie in London?
Fynn: Am Anfang hieß es, wir können den Song nicht als Single benutzen, sondern nur auf dem Album. Doch dann rief sie aber an und schlug vor, ein Musikvideo zu machen. Mit Motorradfahrten und einem Spaziergang durch den Regent Park. Wir haben das RAK Studio in London gemietet. Das ist sehr bekannt, Hot Chocolate hat dort alles produziert, und auch „Vienna“ von „Ultravox wurde da aufgenommen. Wir haben unsere Motorräder mitgenommen und einen Wahnsinnstag in London mit Chrissie verbracht. Sie war extrem relaxed und hatte Bock. Sie hat auch bei der BBC ein Radiointerview gegeben und fünf Minuten lang nur über uns geredet!
Philipp: Auf dem Song spielt ja noch ein Star mit. Malcolm Arison von The Boss Hoss spielt die Mundharmonika zum Ende des Stücks. Er hatte keine Zeit für den Dreh in London, deshalb haben wir ihn eine Woche später in Berlin gedreht.

Eine Anekdote zum Schluss dazu?
Fynn: Als wir später an den Motorrädern standen, erzählte Chrissie, ihr habe im Alter von 17 Jahren eine Wahrsagerin prophezeit, dass sie eine sehr berühmte Sängerin werde, sie solle aber bitte nie auf ein Motorrad steigen. Wir fragten, ob wir das dann nicht lieber lassen sollen, aber sie sagte nur,: „I’m 68 and a famous singer. I don’t care about the rest anymore.“

Im März 2019 sprachen wir über die gerade veröffentlichte Platte. Was hat sich seitdem getan?
Fynn: Wir tourten anschließend zwei Monate durch Kanada und waren anschließend auf unserer eigenen Tour in Europa unterwegs. Das Coole war, wir trafen fast überall auf ausverkaufte Häuser. Den Rest des Jahres haben wir zur Hälfte auf Festivals in ganz Europa oder in unserem Studio in Gütersloh verbracht. Wir versuchen immer die Zeit, in der wir nicht auf Tour sind, im Studio zu verbringen, um schon mal am nächsten Album zu arbeiten.
Philipp: Ganz allgemein kann man sagen, dass sich sehr viel getan hat. Es kommen viel mehr Leute zu unseren eigenen Shows und auf Festivals spielen wir an immer besseren Positionen. Die Leute singen auch jeden Song mit – und das heißt für uns, wir sind irgendwie „angekommen“.

Jetzt seid ihr nach zwei Jahren Abwesenheit gerade in den USA. Wie fühlt sich die Tour heute an?
Fynn: Wir haben auf die richtigen Tourneen gewartet, da eine Tour dort auch mit einem großen Kostenapparat verbunden ist. Allein das teuere Arbeitsvisum gilt immer nur für ein Jahr. Für 2020 kam dann alles perfekt zusammen. Die Einladung von Iron Maiden-Bassist Steve Harris, mit seiner Zweitband „British Lion“ zu touren, kam genau richtig. Dann haben uns Volbeat zu ihrer US-Arena-Tour eingeladen – da sind 4.000 bis 8.000 Leute jeden Abend!
Philipp: Wir hatten sogar noch eine Einladung zu einer langen Tour mit Shooter Jennings, einem Country Star in den USA, aber zu der Zeit spielen wir unsere eigene Europatour 2020. Seit wir das letzte Mal in den USA waren, hat sich hier viel getan – die Häuser sind voll, auch in Städten, in denen wir noch nie vorher waren.

Noch ein Wort zu den Gigs mit British Lions?
Fynn: Steve Harris ist ja auch der Kopf bei Iron Maiden, einer reinen Metal Band. Wir hatten da schon Angst, dass nur Leute kommen, die 100 Prozent Metal sind. Dem ist aber nicht so, das ist ein extrem offenes Publikum – und die lieben uns! Ehrlich!

Ihr seid dieses Mal mit einem erweiterten Team unterwegs, Fotograf Danny Kötter ist mit von der Partie und dokumentiert eure Tour. Ist da was Größeres geplant?
Fynn: Danny ist für unsere Dokumentation enorm wichtig. Claus macht ja nach wie vor unsere offiziellen Bandfotos und Musikvideos. Und was jeden Tag passiert, denken wir darüber nach, irgendwann vielleicht mal ein Buch draus zu machen.

Gibt es jetzt schon Highlights, die ihr auf der Tour erlebt habt?
Fynn: Das besondere war auf jeden Fall, dass uns niemand in unseren „Hochburgen“ wie San Diego und LA vergessen hat. Die Shows sind alle extrem gut besucht und die Leute kennen unser neues Album. Es ist schon etwas sehr Besonderes, wenn in Long Beach zum Soundcheck am Nachmittag der Parkplatz vorm Club voll mit Fans ist.
Philipp: USA-Touren sind immer klasse. Das ist ja ein sehr schönes Land, und wir lieben es, hier mit unserem eigenen Ford E-350 Heavy Duty Van durchs Land zu fahren. Wir sagen immer, das ist wie ein Slow Motion Movie. Unser Bus hat große Aufkleber mit unserem Logo drauf, und uns überholen ständig Leute, die uns ihr Handy zeigen, auf dem gerade unser Video läuft. Irre.

Was erlebt man denn an Kuriositäten „On the Road“ und quer durch die USA?
Fynn: Die Leute hier sind ja sehr kommunikativ. „Are you guys a band?“, ist dann meistens schon der Einstieg in tolle Gespräche. Da trifft man dann wirklich sehr interessante Leute. Einer Band will irgendwie jeder seine Lebensstory erzählen. Da war zum Beispiel ein Obdachloser mit Pappschild, auf dem „Beer“ steht. Er kommt zum Fenster unseres Vans und sagt: „Finally my kind of people!“. Wir geben ihm zwei Dollar und er ruft: „Pay your taxes, I didn’t!“

Ein kurzer Ausblick, auf das was kommt?
Philipp: Klar wird das alles, was vor uns liegt, spannend: Wir lassen nach dieser Tour unseren Wagen bei Freunden in New York, dann fliegen wir nach Hause, spielen zwei Tage später ein Festival in Dortmund, beginnen nach zwei Tagen Pause unsere Europatour und fliegen anschließend drei Tage später nach New York, holen unser Auto ab und fahren 3.800 Kilometer nach Las Vegas zum Tourstart mit Volbeat.
Fynn: Die jetzige Tour mit British Lion ist wirklich super. Da gibt es auch Städte, auf die man sich besonders freut, wie Nashville oder New York. Dann ist da die Tour mit Volbeat und Clutch. Das wird das mit Abstand Größte, was wir bisher gemacht haben. ˜

Auf dem Foto:

Sie sind bekannt dafür, einfach alles zu geben. Auch auf der diesjährigen USA-Tour sorgen die Picturebooks für ausverkaufte Häuser und mega gute Stimmung im Publikum. Foto: Danny Kötter