Reden wir mal über: ... Musik!

Heiner Wichelmann

Autor: Heiner Wichelmann

Fotos: Heiner Wichelmann

28.06.2022

 

Zwei Menschen, die eine Leidenschaft eint: gt!nfo bringt sie zusammen und lauscht ihrem Gespräch – abseits von Interview und Aktualität, ohne Vorgaben, ohne ein verabredetes Ziel. Gesucht ist nicht Dissens, Konflikt, Streit, sondern ein Gedankenaustausch, auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln, über ihre Passion, ihre Hingabe, ihr Hobby. Die Themen sind so bunt wie das Leben. gt!nfo startete die Gesprächsserie in der Juni-Ausgabe („Lesen“) und fand jetzt zwei Protagonisten, die sich über ihre Liebe zur Musik austauschen: Professor Peter Kreutz (Klassik) und Reinhard Beckord (Rock und Pop).

 

Bearbeitung: Heiner Wichelmann

 

Unterschiedlicher können die Musikneigungen der beiden Gütersloher nicht sein: Während sich Prof. Peter Kreutz (61), Lehrer an der Hochschule für Musik in Detmold, an der Musikschule für den Kreis Gütersloh und Organisator der von der Fachwelt hochgeschätzten Gütersloher Musikreihe „Forum Lied“, ausschließlich mit der Klassik beschäftigt, ist Reinhard Beckord (65), 2. Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz, ein begeisterter Anhänger der Rock- und Popmusik mit allen ihren Facetten bis hin zu Soul und Jazz. Gibt es Gemeinsamkeiten? gt!nfo verfolgte die erstmalige Begegnung der beiden.

 

Peter Kreutz: Bevor wir über Musik sprechen: Wir können gerne auch Du sagen, einverstanden?

 

Reinhard Beckord: Gerne. Moin! Da ich der Ältere bin, will ich wohl auch anfangen zu erzählen, wie meine Musikbegeisterung entstand. Das war nämlich als Kneipenjunge in der Gaststätte Altdeutscher Hof Beckord an der Carl-Bertelsmann-Straße, der von meinen Eltern betrieben wurde. Da habe ich an der Musikbox mit Schlagermusik früh gelernt, dass Musik, auch unter Zuhilfenahme der einen und anderen Flüssigkeit, die Menschen glücklich machen kann. Die nächste Evolutionsstufe war mit zwölf Jahren, als ich an Tuberkulose erkrankte, was zunächst mit einer halbjährigen Quarantäne verbunden war. Ich wurde relativ schnell nach Bad Lippspringe ins Krankenhaus verfrachtet, durfte aber einen Schallplattenspieler mitnehmen und war damit bei den Erwachsenen hoch angesehen. Am Wochenende brachte mir die Familie immer Schallplatten mit. Wir hatten ja gute Kontakte zu unserem Nachbarn Bertelsmann. Später bin ich dann oft zum Chef der Galvanik gegangen, wo ich mir immer die neuesten Pop- und Rock-Produktionen aus dem Haus Bertelsmann, aber auch Lizenzprodukte, aussuchen konnte. Das war dann der Grundstock für meine Schallplattensammlung, die heute 2.500 Alben umfasst. Ich war ein Hardrock-Fan: Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath. Später faszinierte mich auch Genesis in der Peter-Gabriel-Phase mit seinen ausufernden Produktionen, dazu Bands wie Yes und Renaissance und andere. Meine Lieblingsband bis heute ist Pink Floyd. Ich sehe als den großen Vorteil unserer Generation an, dass wir die Entwicklung unserer Musik unmittelbar miterleben konnten. Wir waren direkt dabei, als die Rolling Stones ihre Karriere starteten, als Reggae, Ska, Techno, der Punk aufkamen. Das war alles stilbildend bis heute. Ich glaube übrigens, dass die großen Stücke in der Popmusik geschrieben sind und ich glaube auch nicht, dass da noch viel neues Revolutionäres kommen wird. Alles, was heute produziert wird, hat seinen Ursprung in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern. Jeder vermeintlich neue Musikstil hat seine Roots in den stilprägenden Jahrzehnten zuvor und ich bin glücklich, Zeitzeuge gewesen zu sein. Und jede Dekade hat tolle Bands hervorgebracht, was sich heute an zigtausenden Coverversionen dokumentiert – die Kids wissen meist gar nicht, dass es sich oft um altes Material handelt.

 

Peter Kreutz: Spannender geht’s ja nicht! Reinhard kommt aus der Gaststätte und ich aus einem evangelischen, sehr pastoral geprägten Haushalt. Beide Eltern waren Kirchenmusiker. Wir mussten immer mit zu den Proben in der Kirche, wo wir dann stets einschliefen. Die Kirche wurde unser zweites Zuhause und wir lernten, diese Musik zu lieben. Ganz oben war immer: Bach. Der stand einfach da mit seiner großen Aussage und er hatte auch eine enge Beziehung zu einem Teil meiner Prägung, dass nämlich mein Vater aus einer Familie kommt, wo es von Pastoren nur so wimmelte. Wir waren fünf Geschwister und Bach hat uns alle gepackt. Vielleicht ein Grund für unseren sehr moderaten Generationenkonflikt. Den typisch väterlichen Ruf „Mach die Dschungelmusik aus!“, gab‘s bei uns nicht. Er hat zu Pink Floyd nie etwas Positives gesagt, aber eben auch nicht protestiert. Wir Kinder lernten dann irgendwie, dass die Bach-Musik unseren Eltern nicht gehört, sondern allen. Irgendwas berührte da unsere Seelen, das prägte unser Leben, keiner von uns stieg aus.

 

Beckord: Da gibt es ja oft Protesthaltungen der Jüngeren, die dann ganz bewusst ihre eigene Musik hören wollen, um sich abzugrenzen und bei der väterlichen Kirchenmusik Deep Purple bewusst lauter stellen.

 

Kreutz: Du hast ja gerade von den Wurzeln der populären Musik gesprochen, also: alles war schon mal da, das möchte ich gerne aufgreifen. In der klassischen Musik kann man bei Bach und Brahms von Wurzelkomponisten sprechen. Bei beiden stehe ich mit meinen Beinen fest auf der Erde, da kann kein Wind mich umkippen. Spannend, dass sich spätere Komponisten immer an ihnen abgearbeitet haben. Sie studierten sie, schulten sich an ihnen.

 

Beckord: Sind die auch, ich sag mal: gecovert worden?

 

Kreutz: (lacht)Wir nennen das nicht so, wir sagen dann: Guck mal, das ist doch original Bach! Oder wir drücken es so aus, dass sich da jemand „inspirieren“ ließ. Das ist in der Klassik auch ganz normal. Wagner zitierte zwar gar nichts aus der Musikliteratur, er schrieb ausschließlich neue Musik, aber zum Beispiel Brahms, der jünger war, machte das Gegenteil: Er studierte die Alten ganz bewusst und nahm sie für sich als sein Fundament. Da gab es dann öffentlich zwei Lager: Entweder, man war Wagnerianer oder Brahmsianer.

 

Beckord: Für mich als Laien hört sich ein Klassikstück in unterschiedlichen Versionen immer gleich an. Ich kann da kaum Unterschiede zwischen den Künstlern und Dirigenten erkennen.

 

Kreutz: Wir sprechen von einer Entwicklung der Interpretation. Klassische Musik, die wir heute hören, ist zu mehr als 90 Prozent Komposition der Verstorbenen. Das ist so. Umso höher einzuschätzen war die Arbeit unseres früheren Kulturdezernenten Klaus Klein, der die neue Musik, die Avantgarde, sehr pflegte. Er begründete eine Ära mit seinen jährlich wechselnden Retrospektiven, bei denen er den Komponisten auch noch Gelegenheit gab, ihre Interpreten selbst auszusuchen. Da warst du sicher, sie werden erste Sahne sein.

 

Beckord: Henze war jetzt auch keine leichte Kost, oder?

 

Kreutz: Darüber kann man diskutieren: muss Musik immer leicht sein? Ist ein anderes Thema. Ich möchte gerne meine Gedanken zu Klaus Klein zu Ende bringen. Die Gütersloher waren ja alle im Rahmen ihrer Konzert-Abonnements, auch beim Theater-Abo, verdonnert worden, sich diese neue Musik anzuhören. Es gab also in jedem Abo eine Veranstaltung aus der Neuen Musik. Mein Schwiegervater hatte damals einen wüsten Brief geschrieben, in dem er gegen diesen Zwang protestierte, weil er sich um einen Abend der klassischen Musik betrogen fühlte. Er gehörte also klar zu den Kritikern. Wer aber kam, waren die Insider aus ganz Deutschland. Das ist bis heute Musik für Spezialisten. Allein schon die Notation ist so speziell, dass ich als Studierter keine Chance habe, sie zu verstehen. Die Frage heute ist für mich aber auch, inwieweit bin ich bereit, mich mit einem Musikangebot im Vorfeld zu beschäftigen, bevor ich ins Konzert komme. Wenn ich unvorbereitet Schuberts Winterreise höre, kann ich sagen, es war schön oder auch, es war gut gespielt. Aber ich habe das Werk ja nicht wirklich verstehen können. Das Wichtigste ist natürlich das offene Herz, und ich lade jeden ein, sich mit einem Werk zu beschäftigen, um es zu verstehen. Darum moderiere ich auch meine Konzerte. Ich möchte da gerne etwas transportieren: Hör mal, was da passiert! Das ist doch in deiner Musik sicher auch so, Reinhard. Zum Beispiel, dass die Texte viel wichtiger sind, als man ahnt, wenn man sie nur im Hintergrund hört.

 

Beckord: Das ist sicher richtig, ich muss auch sagen, dass die wenigsten Hörer, wenn sie nicht gerade Native Speaker sind, die Texte wirklich verstehen. Oder sich mit ihnen beschäftigen. Es geht hauptsächlich um die Komposition. Für mich war es aber auch immer wichtig, dass die Musik niederschwellig ist, was so gesehen sicher ein Fehler ist und auch ein Problem für die Klassik. Es ist natürlich sinnvoll, sich bei einer Oper vorher mit dem Libretto zu beschäftigen. Aber das ist wohl auch ein Zugangsproblem für die Klassik, dass man sich im Vorfeld damit beschäftigen muss, um sie zu verstehen. Ganz banal: Dann habe ich schon keine Lust mehr.

 

Kreutz: Wir kommen da zu einem wichtigen Thema: das ist die Bildung. Wir brauchen sie, um eine Hemmschwelle abzubauen. Das gilt ja gerade bei meinem Genre, dem Lied. In der Klassik werden aber zunehmend auch Typen gesucht, weil sie verkaufbar sind. Ich denke, die Klassik hat heute kein Problem, sich zu verkaufen, zu vermarkten. Es gibt unglaublich viele Konzertprofile. Ein Beispiel ist die ja bei uns in Gütersloh lebende Sängerin Bettina Pieck, die Mitglied im Berliner Rundfunkchor ist: Die machen dort viele szenische Sachen, sei es bei der Bach-Passion und beim Brahms-Requiem; sie verlassen die Philharmonie, gehen in Fabrikräume und das sehr erfolgreich. Das typische Abo-Konzert „Ouvertüre, ein Konzert für Solist und Orchester, Pause mit Schnittchen und Orangensaft und nach der Pause noch mal eine Symphonie“, das ist ausgestorben. Es ist auch unnötig, weil es ja eigentlich gar nichts transportiert.

 

Beckord: Mag sein, aber wie sieht denn die Altersstruktur bei Wagner aus? Wenn ich die Roben sehe und mir für 2.000 Euro einen Smoking kaufen muss, habe ich doch schon keine Lust mehr. Ich finde es gut, wenn ich in Normalkleidung mir eine Oper anhören kann. Das finde ich auch nicht despektierlich, schließlich ist es ja letztlich einfach nur Musik und ich will mich wohlfühlen.

 

Kreutz: Die Robe, der Frack: das sind Klischees, das gibt es gar nicht mehr! Mir ist es vollkommen egal, wie jemand gekleidet ist. Es wäre schlimm, wenn du nicht ins Konzert gehst, weil du keinen Anzug trägst. Die Zeiten haben sich geändert. Zum Beispiel wurden früher die Meisterkonzert-Abos in Bielefeld teilweise vererbt. Dieses Publikum aber gibt es nicht mehr. Jetzt gehen die Menschen in die Konzerte, die es gerne tun. Das erinnert mich an ein Bild aus der zurückliegenden langenachtderkunst in der Martin-Luther-Kirche. Als dort das Bach’sche Air aus der Suite Nr. 3 in h-Moll gespielt wurde, sah ich ein Pärchen, das ich dort normalerweise nicht vermutet hätte. Da gab es einen ganz starken Moment der Stille, der Aufmerksamkeit, wo die Musik eine besondere Kraft hat und alle erreichte. Ein wunderbarer Moment.

 

Beckord: Das ist das, was Musik ausmacht. Man kann es in der privaten Rezeption zu Hause erleben oder, was für mich wichtiger ist, in der Live-Musik. Ich bin jedes Jahr in Rotterdam beim North Sea Jazz Festival, das unterschiedliche Stilrichtungen vereint, nicht nur Jazz, auch viel Crossover, Rock, Swing und so weiter. Für mich ein Highlight ist immer der Auftritt des Metropol-Symphonieorchesters aus Amsterdam, das gerne Künstler aus dem Rock-, Pop- und Jazz-Bereich für ein Crossover einlädt. Wenn die dann mit Musikern aus ganz Europa Purple Rain spielen: da hat man Tränen in den Augen. Dieser Klangkörper, diese Filigranität der vielen Instrumente – wunderbar. Bei diesen großen Auftritten kommt dann ja auch noch die visuelle Komponente dazu, die erklärend und bereichernd ist

 

Kreutz: Du erwähnst bei klassischer Musik immer das große Orchester, das große Kostüm, das große Bild, das Theater. Für mich ist das fast schon Reizüberflutung. Meine Kunstform ist die ganz reduzierte: der Mann am Klavier und ein oder zwei Sänger. Ich weiß, die Sängerinnen und Sänger lieben das große Theater, aber mindestens genauso auch den kleinen Auftritt, wenn sie für ein Konzert, einem sogenannten Rezital, im kleinen Rahmen eingeladen werden. Diese Auftritte erfordern noch viel mehr Arbeit, viel mehr Konzentration. Es ist wie ein Konzentrat ihrer Kunst. Ich liebe diese Auftritte. Und ich finde es toll, dass die Klassik sich längst aufgemacht hat, zu den Menschen zu kommen. Jüngstes Beispiel in Gütersloh ist die Nordwestdeutsche Philharmonie, die im Sommer in einem abgesteckten Bereich vor dem Theater spielt. Radfahrer, die zufällig vorbeikommen, stoppen und hören aus der Ferne zu – das ist schön.

 

Beckord: Ich bin übrigens über die Rockmusik zur Klassik gekommen. Beispiel Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ von Emerson, Lake & Palmer oder „Ekseption plays Bach“. Oder Jeff Beck, der Puccinis „Nessun Dorma“ auf der Gitarre spielt, unsere SmallStars spielen diese Version übrigens auch. So schlägt der profane Rock für mich eine Brücke zur Klassik und ich greife dann zum Original. Edvard Grieg wird auch viel gecovert, Beispiel „In der Halle des Bergkönigs“ aus Peer Gynt, die Gruppe Madness hat das in wunderbarer Ska-Manier interpretiert. Legendär ist ja das 69er-Album von Deep Purple zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Das waren die Pioniere beim Crossover von Rock und Klassik. Natürlich spielt dabei auch ein bisschen Marketing eine Rolle, denn eine Rockband mit Klassikattitüde hatte immer einen besonderen Stellenwert. Es ist aber eine gute Geschichte, wenn beide Seiten davon profitieren. Übrigens wird die eine Unterhaltungsfunktion immer wieder mal auch in der Klassik betont. So spielt zum Beispiel David Garrett gerne Rock- und Popklassiker, womit er höhere Chartplatzierungen erreicht als mit seinen reinen Klassikalben. Doch jetzt zurück zu den wundervollen Emotionen, die das Musikhören erweckt. Kennst du das auch, Peter?

 

Kreutz: Das wäre eine grauenhafte Vorstellung, wenn ich das nicht mehr erleben würde. Es passiert mir immer noch, dass mich in der Musik etwas genau erwischt, das dann nicht mehr geschützt ist und dass dann Tränen rollen. Ich habe zwar einen Beruf, der sehr viel Disziplin verlangt, aber du solltest aufhören, wenn du dieses Ungeschützte nicht mehr hast.

 

Beckord: Auch wenn du das schon zum 1.000sten Mal gehört hast? Offen gesagt, Beethovens 9. hört sich für mich immer gleich an.

 

Kreutz: Ein ganz schlechtes Beispiel, Reinhard! Da gibt es große Unterschiede. Jeder Musiker ringt auf seine Weise mit dem Material. Darf ich noch einen Punkt anregen? Wir sind ja hier in einer Musikschule. Ich ringe ja mein ganzes Berufsleben damit, dass ich meinen Schülern Klassik zumute. Ich glaube, das Entscheidende ist die authentische Begeisterung des Lehrers. Ich glaube, dass ich das tatsächlich weitergeben kann. Dass die Schüler merken: Da gibt es eine Musik, die hat soviel Struktur, so einen Aufbau, die ist so klar, dass ich damit eine Ordnung herstellen kann im Unterricht.

 

Beckord: Das könnten wir ja mal zusammen machen. Ich komme in deinen Unterricht. Du spielst Air von Bach und ich lege den Schülern die Interpretation von Ekseption oder von Emerson, Lake & Palmer auf. Um die Kinder nicht eindimensional nach Hause zu schicken, sondern um zu zeigen: das funktioniert auch in eurer Welt. Ich finde, der Brückenschlag ist wichtig, das macht auch den Zugang zur Klassik leichter.

 

Kreutz: Bei mir geht’s ja darum, dass die Schüler es selbst spielen können! Was hilft es mir, wenn ich das Material nicht spielen kann? Ich möchte dafür verantwortlich sein, dass meine Schüler es später selbst entscheiden können, welche Richtung sie einschlagen. Dafür müssen sie aber frei sein, also die Sprache der Musik erst einmal kennenlernen. Übrigens: Wir improvisieren auch im Unterricht.

Beckord: Ich fände es gut, wenn man von Anfang an den Schülern zwei Wege aufzeigt.

 

Kreutz: Ich mag es nicht, wenn man den Zugang zu niederschwellig macht. Es gab mal in Bielefeld eine Klassikreihe, die hieß Voll Fett. Da ist bei mir Ende Gelände. Das ist auch Anbiedern. Wenn die Musik nicht gut ist, kommen die Leute sowieso nicht. Wir sind ja auch kein Museum, die Hemmschwelle wird immer mehr gesenkt. Denk an die vielen Openair-Konzerte in Gütersloh: vor dem Theater, auf der Freilichtbühne, neulich das Symphonische Blasorchester auf dem Kolbeplatz, Konzerte im Parkbad und so weiter. Und guckt euch mal das Theater an: was für eine tolle Leitung die haben, wie offen Karin Spooren und Christian Schäfer für neue Ideen sind, bei ihnen gehört das Theater allen. Auch die Kirchen öffnen sich immer mehr. Klassik findet nicht mehr in Tempeln statt.

 

Beckord: Stimmt. Ich sehe übrigens nicht, wie man im Rahmen der Woche der kleinen Künste ein reines Klassikkonzert integrieren könnte, da gibt es andere, bessere Formate. Worüber man aber nachdenken sollte, sind „Rock trifft Klassik“-Formate, das fände ich spannend.

 

Kreutz: Tatsache ist: Gütersloh ist eine sehr musikreiche Stadt ...

 

Beckord: ... Wapelbeats, Angenete, Freitag18, Woche der kleinen Künste, Theater, GT-Sommer, Parkbad, Blue Fox, Greens und so weiter: wir sind in OWL sicherlich mit führend!

 

Kreutz: Wir haben nur leider kein eigenes Symphonie-Orchester, kein eigenes Ensemble. Mein Traumbild ist ja ein Café voller Cello-Kästen. Es ist Probenpause, die Musiker laufen mit ihren Geigenkästen durch die Stadt und blockieren das Café Birkholz oder sonst was.

 

Beckord: Einverstanden, ein tolles Bild!

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