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Junge Familien stehen unter Druck

Die aktuelle Wohnsituation in Gütersloh

GT-INFO-Chefredakteur Markus Corsmeyer hat sich mit den Gütersloher Immobilienmaklern Elmar und Johannes Kaup zum Expertengespräch getroffen. Thema: Wohnen in der Stadt. Ob Preisentwicklung, Wohnraumentwicklung, Leerstände in der Innenstadt – die beiden Gütersloher stehen Rede und Antwort und beleuchten die allgemeine Wohnsituation in der Stadt.

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Vor fünf Jahren haben Sie beide die Geschäftsführung in Ihrem Familienunternehmen übernommen. Wie ist Ihr Fazit?
Elmar Kaup: Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden. Ich war damals gerade 31 und Johannes 28 Jahre jung – wir haben beide seit unserem 24. Lebensjahr in der Firma unseres Vaters gearbeitet und wollten auch mehr Verantwortung übernehmen.
Johannes Kaup: Allerdings muss man auch sagen, dass wir von Anfang an von unserem Vater viele Freiheiten zum „Ausprobieren" bekommen haben und auch schon als Kinder täglich mitbekommen haben, wie es ist selbstständig zu sein. Darüber hinaus haben wir das Unternehmen auch nach Wohnimmobilien mit Elmar und Gewerbeimmobilien mit mir als Ansprechpartner von Anfang nach Kernkompetenzen getrennt.

Wie beurteilen Sie die Preisentwicklung von Immobilien. Wird Wohnen in der Stadt für junge Familien immer teurer?
Elmar Kaup: In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise in Gütersloh jährlich um cirka 10 Prozent gestiegen. Das bestätigt auch der Gutachterausschuss. Gerade Wohnhäuser in guten Wohnlagen sind heute für viele junge Familien in Gütersloh nur noch schwer erschwinglich. Die Preise gehen nach oben. Das hat mehrere Gründe. Zum einen durch die niedrigen Zinsen und ein geringes Angebot. Darüber hinaus sind die Baukosten gestiegen und die Baukapazitäten äußerst knapp.

Stichwort Thema Wohnraumentwicklung. Wie beurteilen Sie die Situation in Gütersloh?
Elmar Kaup: Es fehlt an ausreichendem Wohnraum, insbesondere günstiger Wohnraum ist Mangelware. Die Problematik wird sich sicherlich noch verschärfen, wenn Amazon das Logistikzentrum im Aurea-Gewerbepark eröffnet. Allerdings darf nicht nur über Mietwohnungsbau gesprochen werden, denn auch die Förderung von Eigentum ist wichtig und müsste eindeutig stärker projektiert werden. In Deutschland liegt die Eigentumsquote bei 42 Prozent – und damit ist Deutschland Schlusslicht in der EU. Gerade junge Familien stehen enorm unter Druck, wenn sie eine Familie gründen und ein Haus kaufen wollen.

Wie beurteilen Sie die Situation des Einzelhandels in Gütersloh? Wenn man sich in der Innenstadt umschaut, sieht man viele Leerstände …
Johannes Kaup: Leerstand in der Innenstadt ist ein Problem, das uns auch in Zukunft betreffen wird. Es gibt unterschiedliche Gründe: Der Online-Handel, das veränderte Käuferverhalten, aber auch der fehlende Nachwuchs im Einzelhandel bereiten dem Einzelhandel immer wieder große Probleme.

Was meinen Sie mit Nachwuchsproblem?
Johannes Kaup: Viele junge Menschen bevorzugen eine sichere Festanstellung, und das Thema Work-Life-Balance spielt wohl auch eine sehr große Rolle, so dass die Selbstständigkeit unattraktiver für Firmengründer sein wird. Umso mehr freut es uns, dass wir im vergangenen Jahr mehrere Ladenlokale an junge Existenzgründer vermieten konnten.

Hat Gütersloh ein Leerstandsproblem?
Johannes Kaup: Anfang des vergangenen Jahres war die Situation in Gütersloh wirklich sehr problematisch. Es gab viele Leerstände – auch in den besten Lagen. Aktuell gibt es noch Leerstände, aber nicht so massiv wie vor zwölf Monaten. Generell kann man sagen, dass die Einzelhandelssituation in den Köpfen der Eigentümer, der Politik und des Stadtmarketings angekommen ist. Und es wird dort auch enger zusammengearbeitet. Insbesondere Jan-Erik Weinekötter vom Stadtmarketing setzt sich stark für die Innenstadt ein, mit ihm sind wir im engen Austausch, und man arbeitet Hand in Hand zusammen .

Wohnen ist ein existentielles Grundbedürfnis des Menschen und in einem ständigen Wandel. Was bedeutet der aktuelle Wohnraummangel für die gesellschaftliche Entwicklung?
Johannes Kaup: Elmar und ich sind beide in Gütersloh aufgewachsen. Wir arbeiten und leben hier. Wir haben hier unsere Familien gegründet, daher können wir als Gütersloher die Situation entsprechend beurteilen. Wir beobachten die Wohnraumentwicklung mit großer Sorge. Wohnraummangel ist eine der großen Gefahren für den sozialen Frieden.
Elmar Kaup: Gleichzeitig halten wir die aktuellen Maßnahmen der Politik und Verwaltung für nicht ausreichend. Alle Immobilienexperten sagen: Es fehlt an Bauland, und es muss mehr gebaut werden. Hierfür müssen die Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.
Fakt ist: Günstiges Bauen muss ermöglicht werden. Eine städtische Wohnungsbau-Gesellschaft wird das Problem bestimmt nicht lösen. ˜

Auf dem Foto:

Johannes und Elmar Kaup im Gespräch über die allgemeine Wohnsituation in der Dalkestadt. Foto: Antoine Jerji